Entwicklungsgeschichte

 

Der Lagotto Romagnolo kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Bereits den Etruskern war ein kleiner Wasserhund mit kurzem lockigem Fell bekannt. Diese kleinen Wasserhunde verbreiteten sich im Mittelalter weiter in den Sumpfgebieten der Romagna und den Tälern von Comacchio und Venedig bis nach Istrien. 


Auf Bildern des 16. Jahrhunderts sieht man mitunter einen kleinen lockigen Hund. Dieser begleitete die Jäger und Fischer und wurde dafür eingesetzt, das Wild aus dem Wasser zu apportieren.
Durch die Trockenlegung der Sumpfgebiete der Romagna und der Gebiete von Comacchio verlor er allmählich seine Aufgabe als Wasser- und Apportierhund. 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gewann die Trüffelsuche mehr und mehr an Bedeutung. Die natürliche Begabung des Lagotto Romagnolo zum Revieren und sein exzellenter Geruchssinn haben den Wandel zum Trüffelsuchhund begünstigt. Durch genetische Auslese wurde das Jagdverhalten kontinuierlich reduziert, damit er vom Wildgeruch nicht von seiner Arbeit abgelenkt wird. 

Natürlich interessierte sich damals niemand dafür einen Rassehund „Lagotto Romagnolo“ zu züchten, denn lediglich die besten Trüffelhunde wurden zur Verpaarung ausgewählt.  Durch häufige blutsverwandte Deckakte und Einkreuzungen wurde das Erbgut der Lagotti sehr belastet. 

Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts begann eine Gruppe Hundeliebhaber aus der Romagna mit der genetischen Rekonstruktion des Lagotto Romagnolo. 1988 wurde der Club Italiano Lagotto gegründet. Auf Grundlage der Annahme des morphologischen Standards durch Dr. Antonio Morsiani erfolgte die offizielle Anerkennung der Rasse seitens des E.N.C.I. 1992. 

Im Jahr 2005 erreichte man schließlich die offizielle Anerkennung der Rasse durch den FCI. 

Erscheinungsbild

Der Lagotto Romagnolo ist ein kleiner bis mittelgroßer Hund. Sein Körperbau wirkt kräftig und nahezu quadratisch. Das Fell ist dicht, an der Oberfläche etwas rau mit engen, ringförmigen Locken und sichtbarer Unterwolle, was sein rustikales Aussehen unterstreicht.

Die Widerristhöhe der Rüden beträgt 43 bis 48 cm (Idealgröße 46 cm) mit einem Gewicht zwischen 13 und 16 kg.
Die Widerristhöhe der Hündinnen beträgt 41 bis 46 cm (Idealgröße 43 cm) mit einem Gewicht zwischen 11 bis 14 kg.
Der Lagotto Romagnolo tritt in den folgenden Farbvarietäten auf:

 Bianco - einfarbig schmutzig weiß
 Marrone - einfarbig braun
  Bianco marrone  - weiß mit braunen Flecken
 Roano marrone - braunschimmel
Arancio - einfarbig orangefarben
 Bianco arancio - schmutzig weiß mit orangefarbenen Flecken

Der Lagotto kann im Laufe seines Lebens seine Fellfarbe verändern. 

Bianco marrone | Dolly 


Marrone  | Carlo

Bianco arancio| Allegra


Charakter und Verhalten

 

Der Lagotto Romagnolo ist ein Arbeitshund mit einem ausgeprägtem „will to please“. Er möchte seinem Menschen gefallen und ist eng an ihn gebunden. 

Sehr aufmerksam, pfiffig, gehorsam und leicht zu motivieren, muss er gefördert und gefordert werden. Er ist prädestiniert für die Nasenarbeit. So liebt er z.B. die Trüffelsuche, Mantrailing (Menschensuche), Fährtenarbeit und Gegenstände zu finden. Einige Lagotti arbeiten in einer Rettungshundestaffel. In Skandinavien werden sie als Drogensuchhunde eingesetzt. 

Seine Begeisterungsfähigkeit und sein hohes Energielevel sind hervorragende Grundlagen für ein sportliches Miteinander wie Rallye Obedience, Agility, Dogdance, Hoopers etc. Der Lagotto Romagnolo ist äußerst bewegungsfreudig, flink unterwegs und quirlig. 
Kein Hund also für Couchpotatoes.

Ein guter Mix aus dynamischen, aber auch ruhigen Aufgaben ist für einen aufgeschlossenen, neugierigen Lagotto perfekt. 

Da der Lagotto rasch lernt, nutzt er diese Gabe auch für so manche Dummheit. Als zukünftiger Lagottobesitzer sollten Sie auf der Hut sein, denn einem sanftmütigen, unschuldigen Lagottoblick kann man nur schwerlich widerstehen. Die meisten Lagotti mögen ihre Artgenossen. Manche  verhalten sich anderen Rassen gegenüber zunächst zurückhaltend. Es gibt Lagotti, die ein Problem mit dem Alleinsein haben, weil sie gerne mit ihren Menschen zusammen sind. Deshalb sollte das Alleinsein schon im Welpenalter geübt werden. Länger als 5 Stunden sollte er als erwachsener Hund nicht allein gelassen werden. 

Nicht bei jedem Lagotto ist der Jagdtrieb völlig herausgezüchtet. Bei manchen jungen Lagotti muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie keine Vögel über die Wiese scheuchen. 


Mitunter zeigen Lagotti Unsicherheit gegenüber Dingen (z. B. das Flatterband an der Baustelle) oder Menschen (z. B. mit einem großen Hut). Es sind Situationen, die sie als Welpe nicht kennengelernt haben. Gewöhnlich lassen sie sich rasch überzeugen, dass das Fremde nicht bedrohlich ist. 

Ebenso zeigen viele Lagotti alles Ungewöhnliche durch Bellen an. Mit einem Lagotto im Haus wird kein Besuch unbemerkt vor der Tür stehen. 

Als Wasserhunde lieben fast alle Lagotti das Wasser und jede Pfütze oder jedes Schlammloch sind willkommen. Sie werden selten einen sauberen Hund mit nach Hause bringen. Wenn ein Lagotto von Anfang an daran gewöhnt wird, geht er ganz freiwillig unter die Dusche, so dass das Abwaschen problemlos klappt.

Der Lagotto Romagnolo ist sehr empfindsam. Man muss ihn mit liebevoller Konsequenz erziehen. Druck, laute Worte oder gar Strafen sind erfolgreichem Training abträglich. In der modernen Hundeerziehung haben derart antiquierte Trainingsmethoden sowieso keinen Platz. Positive Bestärkung ist das Schlüsselwort. Darauf bitte unbedingt bei der Auswahl ihrer Hundeschule achten.